Ein Hund der können soll, muss wollen dürfen

Welpenerziehung

Vor dem Welpenkauf

Wenn Sie die Gelegenheit haben, besuchen Sie Ihren Welpen schon während der Prägephase (4. bis einschließlich 7.Lebenswoche) so oft wie möglich. Ein guter Züchter wird Ihnen dieses nicht verweigern. Dieser frühe Umgang mit Ihrem künftigen Welpen erleichtert Ihnen das spätere Zusammenleben insofern, dass Ihr Welpe schon während der Prägung den positiven Kontakt zu verschiedenen Menschen kennenlernt und später nicht nur auf eine Person oder andere Hunde fixiert ist.
Die Prägungs- und Sozialisierungsphasen (Sozialisierung bis einschliesslich 12.Lebenswoche) unterscheiden sich vor allem darin, das die Verknüpfungen die während der Prägephase erlernt werden, später irreversibel sind. Haben Sie nun einen Hund, der während dieser Zeit gelernt hat, sich ausschließlich an seinen Eltern oder Wurfgeschwistern zu orientieren wird er später immer dazu neigen sich zu sehr an seine Artgenossen anzuschließen und weniger am Menschen.
Häufig ist dieses bei Hunden aus dem Ausland der Fall, bei Massenzüchtern, oder wenn die Welpen in den ersten Lebenswochen abseits des Menschen aufgezogen werden, und kaum, oder gar keine positiven Kontakte, zum Menschen erleben. Schlimmstenfalls ist es später kaum mehr möglich eine enge Bindung aufzubauen, was zwangsläufig zu vielen Problemen führen wird.
Holen Sie Ihren Welpen so früh wie möglich ab, am Besten gleich zu Beginn der 8. Lebenswoche, so haben Sie noch 5 Wochen in der Sozialisierungsphase mit ihm zusammen, in der Sie eine sehr enge Bindung aufbauen können, sofern Ihr Welpe nicht übermäßig viel Kontakt zu seinen Artgenossen hat. Sein Sozialverhalten anderen Hunden gegenüber hat er bereits, fürs erste, ausreichend von seinen Eltern und Wurfgeschwistern erlernt. Jetzt ist es von enormer Bedeutung für Ihre gemeinsame Zukunft, Ihren Welpen auf sich selbst und auf Ihr Umfeld zu sozialisieren, so dass eine enge Bindung entstehen kann, die nicht durch zu viele äußere Einflüsse gestört werden sollte.
Natürlich ist es wichtig, dass Ihr Welpe in dieser Zeit jede Menge neue Eindrücke sammeln muss, aber er sollte dabei die Orientierung zu Ihnen nicht verlieren, was durchaus der Fall sein kann, wenn er zu häufig die Gelegenheit bekommt, sich an anderen Hunden orientieren zu können.
Von einer Welpen"spiel"gruppe möchte ich grundsätzlich abraten, Ihr Welpe hat dort meist unkontrollierten Kontakt zu Artgenossen, die selbst noch kein Sozialverhalten gegenüber Artgenossen entwickelt haben.
Wenn Sie es trotzdem versuchen möchten, dann bitte erst nach der 12. Lebenswoche. Besser Sie führen Ihren Welpen hin und wieder mit einem erwachsenen, gut sozialisierten Hund aus der Nachbarschaft kontrolliert zusammen und beobachten ob Ihr Hund diesen Kontakt überhaupt möchte. Es liegt keinesfalls in der Natur unserer Hunde mit anderen Hunden Freundschaft zu schließen. Vielmehr ist es ein Wunschdenken der Menschen, und ein leider sehr weit verbreiteter Aberglaube, welcher dahinter steht. Trotzdem sollte ein Hund sich in Anwesenheit eines Artgenossen zu benehmen wissen, und lernen dürfen, mit ihnen umzugehen, wobei Sie in diesen Situationen kontrollierend einschreiten sollten, wenn Ihr kleiner Welpe oder auch der andere Hund allzu übermütig wird. Nehmen Sie hier immer den Aggressor als erstes aus der Situation, aber trösten Sie keinesfalls den Unterlegenen, sondern nehmen ihn mit aller Selbstverständlichkeit wieder an Ihre Seite.

Auswahl des richtigen Hundes und der Rasse

Sie sollten sich für den Hund entscheiden, der SIE ausgesucht hat, der Ihnen freudig entgegenspringt und keine Scheu zeigt. Sollten dieses Verhalten mehrere Welpen zeigen, haben Sie die Qual der Wahl;-)
Beachten Sie bei der mittlerweile riesigen Rasseauswahl, das es absolut keine Rasse gibt, die ein "ich-habe-Kinder-lieb-Gen" hat, oder einen "Familienhund"-Trieb.
Gerne werden die versch. Arten des Retriever hierfür angepriesen, was vollkommener Blödsinn ist. Auch ein Retriever, ob nun Golden, Flat Coatet oder Labrador kann beißen...und wie!!!
Leider kursiert ein solch gefährlicher Unsinn immer noch durch die Hundewelt, und führt genau zu diesen Beiß-Attacken, die man sich nicht wünscht, und die manchmal leider, nicht nur für den Hund, tödlich enden.

Jeder Hund muss erzogen werden, aber einen, zu Kindern freundlichen, und in die Familie integrierten Hund müssen SIE daraus machen, von Natur aus gibt es ihn NICHT!!!

Der Welpe kommt zu Ihnen

Bieten Sie ihm von der ersten Minute des Zusammenseins Ihre Führung an, er hat gerade seine Mutter und auch die Wurfgeschwister verlassen, in deren Verband er einen festen Platz hatte, der ihm Sicherheit bot.

Nun ist er in einem völlig neuen Umfeld, zeigen Sie ihm, wo er schlafen darf, sorgen Sie dafür das er auch dort bleibt. So wird er schnell begreifen, das Sie ihn nun führen werden und die wichtigen Entscheidungen treffen. Führen Sie ihn durch sein neues Zuhause, zeigen Sie ihm seinen Futterplatz.
Gehen Sie nach jeder längeren Ruhephase und nach jeder Mahlzeit mit ihm nach draußen, damit er sich lösen kann und führen ihn dabei immer an der Leine.
Er wird versuchen über den Blickkontakt mit Ihnen zu kommunizieren, loben Sie dieses Verhalten unbedingt mit Futter oder auch verbal. Je häufiger Sie dieses Verhalten belohnen, desto mehr wird er sich an Ihnen orientieren lernen. Schimpfen Sie nicht, wenn er aus Ihrer Sicht einen Fehler begangen hat, er weiß noch  nicht, was in unserer Menschenwelt, und vor allem aus unserer Sicht, falsch oder richtig ist. Denn Ihr Hund hat eine ganz andere Sichtweise unsere Welt zu betrachten.

In der Nacht ist ein Welpe am Besten in einer Kiste in Ihrer Nähe aufgehoben, so bemerken Sie schnell wann er sich lösen muss, besser noch Sie stehen hin und wieder in der Nacht auf und führen ihn nach draußen. Wenn er sich gelöst hat, loben Sie das Verhalten, gern überschwänglich, sobald er damit beginnt. (Nicht erst wenn er fertig ist!)
Sollte Ihr Welpe "unter sich" in die Kiste urinieren, gehen Sie bitte sofort zum Tierarzt und nehmen eine Urinprobe mit, hier könnte eine Blasenerkrankung vorliegen.

Vermutlich wird er Ihnen beim Spaziergang noch den Vortritt überlassen, indem er an Ihrer Seite bleibt und ganz selbstverständlich nach Ihnen durch eine Tür geht, verstärken Sie diese natürlichen und wünschenswerten Triebe Ihres Hundes von Anfang an mit einem Leckerchen. Lassen Sie Ihn neben sich und erkunden die Welt mit ihm zusammen, alleine ist er damit noch überfordert.
Wenn Sie Unsicherheiten bemerken, zwingen Sie ihn nicht sich mit Dingen auseinandersetzen zu müssen, wenn er sein Unwohlsein schon so deutlich zeigt.
Gehen Sie an solchen Dingen einfach vorbei, diese Dinge gehören in unser Umfeld, trösten Sie ihn nicht, sondern verhalten sich ganz normal, denn nur wenn Sie selbst auch eine Selbstverständlichkeit in Anbetracht des Reizauslösers suggerieren, kann Ihr Hund sich daran orientieren.
Sollte sich die Angst nicht legen, gehen Sie zwischen dem Angstauslöser und Ihren Hund und schalten sich so dazwischen. So sind Sie selbst näher am "Feind" und Ihr Hund kann sich besser zurücknehmen.

Ihr Welpe befindet sich noch bis zum Ende der 12. Lebenswoche in der Sozialisierungsphase, nutzen Sie diese Zeit  sich aktiv und positiv mit ihrem Hund zu beschäftigen. Gehen Sie gemeinsam mit ihm durch Ihre Welt, fahren Sie mit dem Auto, gehen Sie mit ihm einkaufen, fahren Sie an den See....was auch immer Sie mögen.
ABER: Lassen Sie ihn niemals vollkommen unkontrolliert auf andere, Ihnen fremde Hunde los, deren Sozialverhalten Sie nicht kennen. Denken Sie daran: Ihr Hund hat keinen Welpenschutz!!! Leider geistert diese veraltete Meinung noch immer durch die Welt. Einem fremden Hund ist nichts daran gelegen, Ihren Welpen zu schützen, es ist nicht sein Welpe.
Der Welpenschutz, wenn man ihn so nennen mag, betrifft lediglich die Welpen des eigenen Wurfes, nicht aber fremde Welpen, und selbst hier gibt es natürliche Selektionen, teils sogar durch die eigenen Elterntiere.

Sie sollten Ihren Welpen auch nicht einfach unkontrolliert auf fremde Menschen zulaufen lassen, auch wenn  diese das im Moment noch sehr putzig finden, so wird das in einem halben Jahr schon ganz anders aussehen. Nicht jeder ist grenzenlos begeistert angesichts eines erzwungenen Hundekontaktes, gehen Sie von Anfang an mit einem guten Beispiel voran, dann müssen Sie später auch nicht korrigieren und helfen mit, die Menschen vielleicht eines Tages wieder ein wenig Hundefreundlicher werden zu lassen.